17.09.2026
whatif? Report 2026: Die Klimatransition der DAX-Familie verliert an Dynamik
Pressemitteilung

Nur 26 von 71 Unternehmen liegen im Jahr 2025 noch auf Paris-konformem Kurs, im Vorjahr waren es 28. Fest im Griff haben ihre Transition zehn. Erstmals wurden DAX40, MDAX und SDAX gemeinsam gemessen.
Frankfurt am Main, 17.09.2026 – Die Klimatransition der größten deutschen Börsenunternehmen ist 2025 zurückgefallen. Von 71 untersuchten Unternehmen verschlechterten sich 25, nur 19 verbesserten sich, 26 blieben unverändert. Für eines von ihnen liegen für 2025 noch keine Zahlen vor. Die Zahl derer, die auf einem Paris-konformen Kurs liegen, sank von 28 auf 26. Das geht aus dem whatif? Report 2026 hervor, den das Frankfurter Climate-Tech-Unternehmen right° am Donnerstag veröffentlicht hat. Der Report übersetzt die Klimawirkung börsennotierter Unternehmen in Grad Celsius: Er zeigt, welchen Kurs ein Unternehmen fährt, gemessen an dem, was es selbst berichtet hat.
Über die Marke von 1,7 °C gerutscht sind Symrise, Porsche, ATOSS Software und SFC Energy. In die andere Richtung bewegten sich zwei Unternehmen: Siemens, von 2,2 °C auf 1,4 °C, und der Netzwerkausrüster Adtran Networks, von 1,8 °C auf 1,5 °C.
Zehn Unternehmen haben ihre Transition fest im Griff
26 der 71 sind mit höchstens 1,7 °C auf Paris-konformem Kurs. Zehn davon haben sich auch ein Paris-konformes Ziel gesetzt. Bei ihnen passt zusammen, was sie sich vornehmen und was sie tun. Die übrigen 16 fahren einen Paris-konformen Kurs, ohne dass ihr eigenes Ziel das verlangt. Sie dekarbonisieren schneller, als sie sich mit ihrem Klimaziel vorgenommen haben.
23 Unternehmen sind auf einem schlechteren Kurs, als ihr Ausgangspunkt vorgibt
Der Report misst zweierlei: den Ausgangspunkt eines Unternehmens, also seine strukturelle Klimawirkung im Basisjahr, und den Kurs, den es seither tatsächlich gefahren ist. Bei diesen 23 liegt der gefahrene Kurs über dem Ausgangspunkt. Sie haben sich also nicht verbessert, sondern verschlechtert. Sieben Unternehmen liegen mit 1,8 °C bis 2,0 °C knapp außerhalb der Paris-Konformität.
Wie weit Ausgangspunkt und gefahrener Kurs auseinanderliegen können, zeigt z. B. die Deutsche Telekom. Ohne zusätzliche Anstrengung läge sie auf einem 5,0-°C-Kurs. Tatsächlich eingeschlagen hat sie seit ihrem Basisjahr 2020 aber einen 1,8-°C-Pfad.
Bei zwei Unternehmen liegen beide Werte unter 1,7 °C: Der Immobilienportalbetreiber Scout24 und der Schmierstoffhersteller FUCHS wirtschaften schon strukturell Paris-konform und fahren auch so. Dass das eine das andere nicht garantiert, zeigt z. B. das Unternehmen Symrise: Ohne zusätzliche Anstrengung läge das Unternehmen bei 1,7 °C, der tatsächliche Kurs 2025 ist 1,8 °C.
„Dank der immer besseren Datenlage können wir jetzt messen, auf welchem °C-Pfad sich ein Unternehmen tatsächlich bewegt“, sagt Hannah Helmke, Mitgründerin und Geschäftsführerin von right°. „Damit haben wir eine ganz neue, Fakten-basierte Perspektive auf die Transitionsfähigkeit eines Unternehmens.“
Und was hat das Klimaziel damit zu tun?
Messbar wenig. Unternehmen mit einem Paris-konformen Klimaziel liegen nicht häufiger auf Paris-konformem Kurs als Unternehmen ohne ein solches Ziel: 37 gegen 36 Prozent. Auch ein von der Science Based Targets initiative validiertes Ziel ändert daran wenig. Die Mehrheit der Unternehmen mit ausgewiesenem Ziel liegt schlechter als ihre eigene Vorgabe. right° stellt die Zielkennzahl im Report deshalb nicht mehr in den Vordergrund.
„Klimaziele sind überwiegend abstrakte Rhetorik“, sagt Helmke. „Viel greifbarer sind die ganz konkreten Transitionsgeschichten, die im Hier und Jetzt stattfinden und geschrieben werden.“
Der MDAX bewegt sich am wenigsten
Das typische MDAX-Unternehmen fährt 3,7 °C und steht damit genau dort, wo es ohne zusätzliche Anstrengung stünde: Ausgangspunkt und gefahrener Kurs sind dort identisch. Im DAX40 liegt mehr als die Hälfte der Unternehmen mindestens ein Grad besser als ihr Ausgangspunkt, im MDAX nur rund ein Viertel.
Abdeckung
Von 160 Unternehmen der DAX-Familie konnten 71 untersucht werden, 44 Prozent. Die übrigen berichten überwiegend noch zu kurze Datenreihen. Ein Teil berichtet keine oder unvollständige Emissionsdaten. 15 sind Finanzinstitute. Bei ihnen fehlen belastbare Daten zu den finanzierten Emissionen, also zu dem mit Abstand größten Teil ihrer Klimawirkung. Für den Report 2027 erwartet right° mit mindestens 40 zusätzlichen Unternehmen eine deutlich höhere Abdeckung als noch in diesem Jahr.
Der SDAX ist mit 18 von 70 Unternehmen aktuell noch zu dünn abgedeckt, um etwas über den Index zu sagen. Im DAX40 ist die Abdeckung dagegen gesunken. Im Vorjahresreport waren dort 34 Unternehmen erfasst. Der Rückgang geht fast vollständig auf Unternehmen zurück, die methodische Anpassungen an ihren Daten vorgenommen haben. Für sie fehlt dieses Jahr die auswertbare Zeitreihe.
„Wissenschaftsbasierte Ziele basieren auf Emissionsbudgets“, sagt Dr. Sebastian Müller, Mitgründer von right°. „Wenn keine jährlichen Datenreihen zur Verfügung stehen, gibt es keine Transparenz, ob sie auch eingehalten werden.“
Wie gemessen wird
Der whatif? Report nutzt das X-Degree Compatibility (XDC)-Modell von right°. Es gibt an, um wie viel °C sich die Erde bis 2100 erwärmen würde, wenn die Welt dieselbe Klimaperformance hätte wie das betrachtete Unternehmen. Das Ergebnis ist eine Gradzahl.
Das Transitionsprofil eines Unternehmens beruht auf den °C-Metriken des XDC-Modells. Der Report 2026 weist drei davon aus.
- Baseline XDC – strukturell. Wo steht das Unternehmen ohne zusätzliche Anstrengung? Die Emissionsintensität des Basisjahrs wird dafür entlang eines Business-as-usual-Szenarios fortgeschrieben. Kurz: der Ausgangspunkt.
- XDC Track Record – historisch. Hat das Unternehmen tatsächlich dekarbonisiert? Der Kurs, den es gefahren ist, gerechnet aus seinen berichteten Emissions- und Finanzdaten. Die zentrale Kennzahl des Reports 2026. Gerechnet wird über alle Berichtsjahre zusammen, weil CO₂ sich in der Atmosphäre ansammelt: Was ein Unternehmen zu viel ausstößt, fehlt ihm später.
- Target XDC – Ambition. Was verspricht das Unternehmen? Der Kurs, wenn es sein Klimaziel vollständig erreicht. Wird ausgewiesen, steht aber nicht mehr im Zentrum.
Ein Bild dafür: Der Ausgangspunkt ist die Entfernung zum Ziel beim Start, der gefahrene Kurs die Geschwindigkeit, mit der sich ein Unternehmen darauf zubewegt. Das sind zwei verschiedene Größen und keine zwei Punkte einer Zeitreihe, aber sie wirken zusammen. Wer zum Beispiel weit entfernt startet und schnell fährt, holt auf.
Als Paris-konform gilt ein Kurs von bis zu 1,7 °C. Das Pariser Abkommen sieht eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad vor.
Der Report erscheint seit 2024 jährlich und beruht ausschließlich auf öffentlich berichteten Daten. Kein Unternehmen zahlt für seine Analyse oder seine Nennung. Vergleichbar sind nur Werte aus einem Reportingjahrgang und damit aus einem XDC-Analyselauf. Alle Vergleiche in dieser Pressemitteilung stammen aus derselben Analyse.
Der vollständige Report ist verfügbar unter right-basedonscience.de/what-if/. Die Profile aller 71 analysierten Unternehmen sind über die Datenbank °Compass öffentlich einsehbar. Grafiken in druckfähiger Auflösung können beim Pressekontakt angefordert werden. Interviews mit Hannah Helmke und Dr. Sebastian Müller auf Anfrage.
Über right°
right° macht die Klimawirkung wirtschaftlicher Einheiten transparent, schlicht und einfach in °C. Das 2016 von Hannah Helmke und Dr. Sebastian Müller gegründete Climate-Tech-Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main entwickelte das X-Degree Compatibility (XDC)-Modell. Über 100 Kunden und Partner aus Real-, Immobilien- und Finanzwirtschaft nutzen die Software von right°. Das XDC-Modell ist peer-reviewt und wird unter anderem von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) eingesetzt.
Pressekontakt: press@right-basedonscience.de, +49 (0) 69 97 98 3452