13.06.2026
right° bei der BVI Nachhaltigkeitskonferenz 2026
Food for Thought

Auf der BVI Nachhaltigkeitskonferenz 2026 zeigte Hannah Helmke, Geschäftsführerin von right°, warum Transitionsrisiken erst dann steuerbar werden, wenn man sie vergleichbar macht, schlicht und einfach in °C.
Es ist ein bemerkenswertes Paradox: Folgt man der öffentlichen Debatte über Backlash gegen ESG, Omnibus und die Rückabwicklung von Regulierung, könnte man meinen, das Thema Transition sei vom Tisch. Schaut man dagegen auf die Zahlen der Weltwirtschaft, ist die Transition allgegenwärtig. Sie ist sogar der Motor vieler Entwicklungen, die uns täglich beschäftigen.
„Wie kann es sein, dass unsere Wahrnehmung so stark von dem abweicht, was in der Welt tatsächlich passiert?“, fragte Hannah Helmke zu Beginn ihres Vortrags. Ihre Antwort fiel unbequem aus: „Offensichtlich haben wir falsch gemessen.“
Das Ziel wurde zum Produkt
Der Denkfehler: Wir haben Klimaziele mit Transitionsfortschritt verwechselt. Die Logik lautete: Ziele erzeugen Druck, Druck erzeugt Veränderung, Veränderung erzeugt Transformation.
„Wenn das stimmen würde, würden wir alle dreimal die Woche zum Sport gehen und uns gesund ernähren. Wir wissen alle, wie das ausgeht.“
In der Realität setzen, berichten, validieren und kommunizieren Unternehmen vor allem Ziele und passen sie bei Bedarf wieder an. „Das Ziel wurde zum Produkt, nicht die Umsetzung, nicht die Transition.“ Ein Klimaziel zu setzen, sei heute ein Kinderspiel. Und was nicht differenziert, erzeugt für den Kapitalmarkt keinen Informationsvorsprung und verliert damit zwangsläufig an Relevanz. Genau hier liegt für Helmke ein großer Teil der Ernüchterung, die das Feld derzeit prägt.
Die Fakten: Die Transition läuft
Ein Blick auf die Zahlen genügt. 2025 flossen von weltweit 3,3 Billionen Dollar an Energieinvestitionen rund 2,2 Billionen in saubere Energien wie Erneuerbare, Netze, Speicher und Elektrifizierung (Quelle: IEA World Energy Investment 2025). Das Wachstum des globalen Strombedarfs wurde vollständig durch Erneuerbare gedeckt; die fossile Stromerzeugung blieb praktisch unverändert. Und die Europäische Kommission nimmt grüne Investitionen inzwischen von den Schuldenregeln aus, denn Unabhängigkeit von fossilen Importen ist zur fiskalpolitischen Priorität geworden.
Damit verschiebt sich die entscheidende Frage. Sie lautet nicht mehr: Wer hat das ambitionierteste Klimaziel? Sondern: Wer transformiert schneller als der Wettbewerb? Wer baut Emissionsabhängigkeiten schneller ab?
Entkopplung in °C vergleichbar machen
Transformation bedeutet Entkopplung: Wertschöpfung hoch, Emissionen runter. Das gelingt nur mit massiver Innovation, und genau diese sorgt für Effizienz, fossile Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Dass Entkopplung keine kapitalistische Träumerei ist, bestätigt Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA): „The strong expansion of solar, wind, nuclear power and EVs is increasingly loosening the links between economic growth and emissions.“
Kapitalmärkte aber leben von Vergleichbarkeit. Hier setzt das X-Degree Compatibility Model (XDC) an: Es misst, wie stark ein Unternehmen sein Wachstum relativ zum Sektor von Emissionen entkoppelt, und übersetzt das in eine Einheit, die wirklich jeder versteht: Grad Celsius. Die Berechnung folgt drei Schritten: Wie viele Emissionen erzeugt ein Geschäftsmodell (GHG Protocol)? Wie schneidet die Emissionsintensität im Vergleich zum sektorspezifischen Benchmark für 1,5 °C ab (IEA NZE 2050)? Und welche Erderwärmung würde resultieren, wenn die ganze Welt so wirtschaftete wie dieses Unternehmen (IPCC)?
Das daraus abgeleitete Transitionsprofil macht vier Dinge sichtbar: wo ein Unternehmen heute steht (Baseline XDC), auf welchem Pfad es real unterwegs ist (Track Record), wohin sein Transitionsplan führt (Szenario XDC) und wohin sein Klimaziel führen würde (Target XDC). Erst im Vergleich zum Sektor wird daraus eine echte Steuerungsgröße, denn ein Unternehmen kann „on track“ sein und trotzdem relativ zum Sektor zurückfallen.
Vom Beispiel zur Steuerung
Wie aussagekräftig das ist, machte Helmke an konkreten Fällen deutlich. adidas und Nike starten beide im Basisjahr bei über 4 °C, doch adidas dekarbonisiert auf Kurs des eigenen Ziels, während Nike in die Gegenrichtung läuft. Die eigentliche Frage dahinter: Wer wird die besseren Margen haben?
Bei Porsche liegt das Geschäftsrisiko nicht im Antrieb, sondern im Geschäftsmodell. Im whatif? Report 2025 zählte Porsche noch zu den Top 5 der DAX40, die ihre kommunizierten Ziele auch umsetzen; 2026 wird der Hersteller nicht mehr auf dieser Liste stehen. Schuld ist nicht die Antriebstechnologie, sondern der Druck aus dem chinesischen Markt, etwa durch Wettbewerber wie Xiaomi, die selbst auf Elektroantriebe setzen.
Und während EnBW, RWE, enercity und E.ON, die vier größten deutschen Energieerzeuger, seit 2022 mit einem Track Record von 1,4 °C unterwegs sind und ihre strukturell hohe Klimawirkung massiv reduzieren, steht ein möglicher Börsenkandidat wie Uniper am völlig anderen Ende des Spektrums. Welcher Investor steigt dort noch ein, wenn der Markt längst weiter ist?
Auf Portfolioebene wird daraus ein gemeinsam mit dem BVV entwickeltes Dashboard, das ganze Portfolien über Assetklassen hinweg in °C übersetzt und so den Dialog zwischen Risiko, Nachhaltigkeit und Management greifbar macht. Am Beispiel RWE, das nach massiver Dekarbonisierung 2023/2024 zuletzt wieder leicht zurückfiel, zeigt sich die eigentlich spannende Frage: Gehört ein solches Unternehmen in ein Transitionsportfolio, und wie baut man eine Steuerungslogik dafür auf?
Willkommen in Phase zwei
Auch Omnibus liest Helmke in diesem Licht: Die EU sage nicht, die Transition sei unwichtig, sondern dass Reporting allein nicht die Lösung ist. Der Fokus verschiebt sich von der Offenlegung hin zur tatsächlichen Steuerung. Es bleibt die Frage, wer in einer Welt, in der Emissionen zunehmend zum Wettbewerbsnachteil werden, künftig noch Geld verdient.
Wer in dieser Phase zwei mithalten will, muss Transition messen können: bei sich selbst und bei anderen. Genau dafür haben wir °Compass gebaut.
°Compass: Willkommen in einer neuen Transparenz!
Klimaziele differenzieren nicht. Umsetzung tut es.
°Compass ist unsere neue Datenbank mit Transitionsprofilen für Unternehmen: Auf welchem Klimapfad befindet sich ein Unternehmen? Ist es on track, seine kommunizierten Ziele zu erreichen? Wie entwickelt es sich im Vergleich zu seinem Sektor? Transitionsprofile helfen, die eigene Transitionsleistung gegenüber externen Stakeholdern zu belegen, Scope 3-Risiken in der Lieferkette frühzeitig zu erkennen und glaubwürdige Partner von solchen zu unterscheiden, die vor allem gut kommunizieren. °Compass zeigt, wer tatsächlich steuert und wer nur berichtet.
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°Compass ist relevant für Sie, wenn Sie: (i) Transitionsfortschritt von Unternehmen bewerten oder vergleichen möchten; (ii) als Nachhaltigkeitsverantwortlicher das Transitionsprofil Ihres Unternehmens kennen und steuern wollen; (iii) im Finanzmarkt belastbare Klimametriken jenseits von Ratings und Scores suchen.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!